Acherner Wirtschaftsclub am 12.07.2005

Acher-Rench-Zeitung 16./17. Juli 2005

 

Zeitarbeitsunternehmen "acrobat GmbH" stellte sich Wirtschaftsclub vor

 
Vor acht Jahren etablierte sich das Zeitarbeitsunternehmen "acrobat GmbH" in Achern, im vergangenen Jahr erreichte es beim Landeswettbewerb "Gleiche Chancen für Frauen und Männer im Betrieb" den dritten Platz. In dieser Woche stellte sich der Personaldienstleister im Kurhaus "Alde Gott" dem Acherner Wirtschaftsclub vor und gab über Zeitarbeit konkret Auskunft.

Mit 305 externen, 17 internen Mitarbeitern und 2 Azubis sowie mit einer Filiale in Lahr zähle das Unternehmen, wie acrobat-Chefin Sylvia Selinger zu Beginn der Veranstaltung vermittelte, zu den führenden Anbietern von Zeitarbeit in Mittelbaden und könne sich auch in ganz Deutschland zu den Großen zählen. Die Filiale in Lahr, so Sylvia Selinger weiter, habe das Unternehmen 2003 eröffnet und im gleichen Jahr die Abteilung acromed aufgebaut. Mit dieser neuen Abteilung habe die Firma als eines der ersten Personaldienstleistungsunternehmen in Deutschland Zeitarbeitskräfte für medizinische Berufe unter Vertrag, angefangen von Pflegekräften bis zu einem Arzt.

Chancen und Risiken
Zum Thema "Zeitarbeit in Deutschland - vom Außenseiter zum Jobwunder" bezog Prokurist und Filialleiter Klaus Dieringer Stellung und informierte über die Chancen und Risiken bei der Entleihung von Zeitarbeitern. Von Zeitarbeit, so stellter er voran, könne gesprochen werden, wenn ein Unternehmen Mitarbeiter einstellt, die es nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz von einer Zeitarbeits- beziehungsweise Personaldienstleistungsfirma für einen bestimmten oder unbestimmten Zeitraum ausleiht.

Vorteile für beide Seiten
Ein im gesetzlichen Rahmen vollzogenes Zeitarbeitsverhältnis bietet, wie Klaus Dieringer ausführte, für den Arbeitnehmer wie für den Arbeitgeber Vorteile. Dem Arbeitnehmer bietet sich die Chance, über Zeitarbeit in Arbeit zu kommen und vielleicht wieder eine feste Anstellung zu finden, Unternehmen sind in ihrem Personalbedarf flexibel, finden beispielsweise bei Krankheitsausfall eines Mitarbeiters schnell Ersatz oder können Auftragsspitzen abfangen. Die Lohnnebenkosten würden dabei erheblich reduziert, weil nur effektiv geleistete Stunden bezahlt werden. Urlaub, Wochenende und Krankheit gehen zu Lasten des Zeitarbeitsunternehmens. Wie Klaus Dieringer zeigte, wuchsen die Zeitarbeitsverhältnisse in den Jahren 1999 bis 2003 von 673 000 auf 752 000, insbesondere auf dem Sektor Hilfspersonal (31 Prozent) und Metall/Elektro (28 Prozent). Dienstleistung (16 Prozent), Verwaltung/Büro (10 Prozent), Technische Berufe (4 Prozent) und Sonstige (11 Prozent) nannte er als weitere Bereiche der Zeitarbeit. Zu 76 Prozent zeigte sich Zeitarbeit als Sache der Männer.

Dass Zeitarbeit ein Job-Motor ist, unterstrich Dieringer mit Zahlen zu den Alternativen, die ein Unternehmen ansteuert, wenn sich kein Personal zur Erledigung der anfallenden Arbeit bietet. Zwar suchen 38 Prozent der Unternehmen nach einer internen Lösung (etwa Überstunden), um sie zu bewältigen, aber 17 Prozent lassen die Arbeit unerledigt und 31 Prozent suchen nach einer externen Lösung, beispielsweise durch Outsourcing. Feste Mitarbeiter werden nur in 14 Prozent der Fälle eingestellt.

Vortrag zur EU Transparent und offen vermittelte Klaus Dieringer, was Unternehmen beachten sollten, um kein Risiko bei der Zeitarbeit einzugehen, bevor Unternehmensberater Klaus Eitel der Frage nachging: EU-Osterweiterung - Gefahr für den deutschen Arbeitsmarkt? Die Quintessenz seines Vortrages lief darauf hinaus, dass es unter den geltenden rechtlichen Bestimmungen osteuropäischen Arbeitnehmern nicht möglich sei, den deutschen Arbeitsmarkt zu überschwemmen und Arbeit wegzunehmen. Kritischer sehe es auf dem Dienstleistungssektor aus, da hier von den Bestimmungen her eine relativ große Freizügigkeit gegeben sei. Komplette Dienstleistungen seien beispielsweise schon übernommen worden. Die rechtliche Problematik von Werkverträgen und der Arbeitsvermittlung bildeten den Hauptanteil des Referats.

 
Berthold Gallinat
 
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